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Geschichte des Schach
Die Ursprünge des Schachspieles sind bis heute nicht in ihrer Gesamtheit
geklärt, sodass sich viele Mythen und Legenden um das berühmte Brettspiel
ranken.
Unter Historikern besteht die Diskussion, ob die erste Form des Spieles in
Indien oder in China entstand; vermutlich sind beide Länder gleichermaßen an
der Entstehung beteiligt. Nach neuesten Theorien leitete sich das indische
Spiele "Chaturanga", das lange Zeit als das erste Schachspiel der Welt galt,
um 500 nach Christus aus dem urchinesischen Schach ab. Der Name Chaturanga
bedeutet übersetzt "vier Elemente" oder auch "vier Teile" und weist auf die
vier unterschiedlichen Arten von Figuren hin, mit denen gespielt wurde: der
Streitwagen Rath (Turm), das Pferd Ashwa (Springer), der Elefant Haathi
(Läufer) und die Soldaten Sainik (Bauern). Gespielt wurde auf einem Brett
mit 8x8 Feldern, die ursprüngliche Aufstellung der Figuren entsprach der des
indischen Heeres und die Auswahl der Figuren erfolgte durch Würfel, sodass
der Spielverlauf weniger durch strategische Züge beeinflusst werden konnte,
als es heutzutage der Fall ist.
Die aus Arabien stammende Legende um das Weizenkorn berichtet, dass das
Schachspiel von einem brahmanischen Weisen für den indischen König
entwickelt wurde um diesen zu unterhalten und gleichzeitig zu belehren. Im
Vordergrund sollte die Bedeutung der Einheit zwischen König, Militär und
Volk stehen, die für eine erfolgreiche Herrschaft und den Machtausbau nötig
sei. Als Dank erhielt der Weise einen Wunsch freigestellt und bat um
Reiskörner, deren Anzahl anhand des Schachbrettes errechnet werden sollte:
Auf das erste Feld des Spielbrettes entfiel ein Reiskorn, auf das zweite
zwei, auf das dritte vier usw. - also stets die doppelte Anzahl Körner auf
das nächste Feld. Der König, zunächst überrascht über einen solch
bescheidenen Wunsch, konnte diesen nach Berechnung der Summe nicht erfüllen:
Der Weise hatte eine Bezahlung von ca.18 Trillionen Reiskörnern verlangt -
fast das Tausendfache der heutigen (!) jährlichen Weltproduktion.
Andere Legenden erzählen von der Erfindung des Schachspieles zum Zweck der
Belehrung, als Alternative zu blutigen Kriegen, zur anschaulichen
Schilderung von Geschichten und zur Berichterstattung tragischer Ereignisse.
Mit der Einführung der Dame, die Farsin genannt wurde, und als Ratgeber des
Königs galt, entfielen um 600 die Würfel als Spielelement - das "Zweischach
Schatrang" war geboren, das nun durch Strategie, Klugheit und weiser
Voraussicht beider Parteien gesteuert wurde.
Nur ein knappes Jahrhundert später erlangte das Spiel als Geschenk eines
indischen Königs an den persischen Herrscher auch in Persien einen immer
größeren Bekanntheitsgrad. Hier entstanden die Ausrufe "Schach" (von Shah
(König) abgeleitet) und "schachmatt", die noch heute im Spielverlauf
gebräuchlich sind. Von Persien aus gelangte das Brettspiel nach
Konstantinopel und bald auch in das gesamte Römische Reich. Nach der
Eroberung Persiens durch die Moslems verbreitete sich das Brettspiel in der
gesamten islamischen Welt bis nach Spanien, Italien und in die Provence.
Ein Beweis für die Beliebtheit des Schachs findet sich vor allem in der
Literatur der verschiedenen Völker, die das Brettspiel häufig in ihre
Dichtkunst einflossen ließen und eine enge Verbindung zwischen der Schach-
und der Liebeskunst herstellten. Auch die ersten europäischen
Spielmanuskripte entstanden in der Zeit des Hoch- und Spätmittelalters -
hier sei vor allem das Werk "Libro de los Juegos", das der Spanier Alphonso
X. im 13. Jahrhundert in Auftrag gab, genannt.
Im deutschen Sprachgebiet wurde das Schachspiel erstmals 1050 in einem von
einem Mönch aus Tegernsee verfassten Versroman in lateinischer Sprache
erwähnt. Ab dem 13. Jahrhundert fand das Spiel aufgrund seiner Popularität,
die durch die Zugehörigkeit des Spieles zu den sieben Rittertugenden stetig
wuchs, auch Einzug in die volkssprachige Literatur. Einen Beweis dafür
liefern die sogenannten Schachzabelbücher (Schachzabel ist die altdeutsche
Bezeichnung für das Schachspiel), deren Hauptaugenmerk nicht auf Regeln und
Spielkunst, sondern vielmehr auf der Symbolik des Spiels - also einem
Vergleich der Figuren auf dem Brett mit der gesellschaftlichen Realität -
lag.
Während sich in der Zeit des Mittelalters, in dem die Verbreitung des
Schachspiels stattfand, die Regeln kaum geändert hatten und nur je nach
Kultur und Volk leichten Abwandlungen unterlagen, entwickelte sich gegen
Ende des 15. Jahrhunderts langsam das noch heute gängige Regelwerk, das sich
seit Beginn des 19. Jahrhunderts kaum noch verändert hat. Die Neuerungen
bestanden vor allem in den neuen Zügen, die den einzelnen Figuren erlaubt
wurden und das Tempo des Spiels steigerten: Die Dame, die zuvor nur ein Feld
diagonal ziehen durfte, konnte nun beliebig weit und in jede Richtung
ziehen, wodurch sie zur stärksten und wichtigsten Spielfigur wurde. Dem
Läufer war nun ebenfalls eine beliebige Feldanzahl in diagonaler Richtung
erlaubt und die Bauern durften zu Beginn jeweils zwei anstatt nur ein Feld
vorrücken. Die Göttinger Handschrift, um 1500 entstanden, verbreitete als
erstes Regelwerk die neuen Züge. Durch die gestärkten Figuren, steigerte
sich die Dynamik des Spieles, sodass es einfacher war den König matt zu
setzen. Außerdem wurde der Beraubungssieg abgeschafft und klassischen
Spielzüge wie zum Beispiel die Rochade hielten ihren Einzug.
In Literatur und Wissenschaft gewann das Spiel ebenfalls an Bedeutung,
sodass zahlreiche Bücher, Schriften und Theorien dazu entstanden. So
erschien 1846 zum Beispiel die erste Ausgabe der deutschen
Schachzeitschrift.
Den größten Unterschied zum heutigen Schach stellte wohl das Aussehen der
Figuren dar, die noch sehr einfach gehalten und meist aus einzelnen
geometrischen Formen wie Quader, Kreis und Pyramide zusammengesetzt waren.
Erst 1849 entwarf Nathaniel Cook die noch heute gängigen Figurformen. Als
der 1924 gegründete Weltschachbund "Fédération Internationale des Échecs"
(kurz FIDE) seine Formen für Übungsspiele, Turniere und die vom FIDE
herausgegebene Literatur übernahm, wurden Cooks Figuren so populär, dass sie
noch heute als klassische Spielsteine gelten.
Schachturniere fanden jedoch nicht erst seit der Gründung des Schachbundes,
sondern schon seit dem 19. Jahrhundert statt. Einen der ersten Wettkämpfe
lieferten sich Alexander MacDonnell und Louis de La Bourdonnais 1834 in
London. Das erste deutsche Schachturnier fand 1870 in Baden-Baden statt, und
seit 1927 existiert die internationale Schacholympiade der FIDE, die seit
1946 auch die Schachweltmeisterschaft organisiert und leitet.
Noch heute zählt Schach zu einem der beliebtesten Brettspiele weltweit. In
zahlreichen verein und Arbeitsgemeinschaften werden junge Talente gefordert
und gefördert, Schacholympiade- und weltmeisterschaft erfreuen sich hohen
Zuschauerzahlen. Seine Beliebtheit verdankt das Spiel jedoch nicht nur der
Popularität in Wissenschaft und Literatur, sondern vor allem dem immer
wieder faszinierenden, nur schwer berechenbaren Spielverlauf, der Coolness,
Überlegenheit und weise Voraussicht sowie die Fähigkeit schnell umzudenken
und immer neue Strategien zu entwickeln, erfordert.
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